Verfasst von: irenejonda | 5. März 2011

Englisch hat seinen Preis

Universitäten, Schulen und das Bildungsministerium fordern, dass Englisch die alleinige Unterrichtssprache in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist, aber Experten warnen vor den Gefahren, die diese Forderung für Arabisch sprechende Menschen in sich birgt. Die Frage lautet also: Zu welchem Preis ist die Professionalität in Englisch erreichbar? Eine Studie, die unlängst von der American University of Sharjah (AUS) und der United Arab Emirates University in Al Ain durchgeführt wurde zeigt, dass Englisch als Unterrichtssprache eine Bedrohung der Arabischen Sprache und der Identität arabischer Studierenden darstellt. Dr. Khawlah Ahmad, von der Englisch-Fakultät an der AUS beschreibt die Herausforderungen eines Englisch-Unterrichts von der ersten Klasse bis zum tertiären Level in etwa so: „die Sprache stellt viele Studierende vor eine große Herausforderung, denn die offizielle Sprache in allen arabischen Ländern ist Arabisch. Zudem spielt hier auch die arabisch-islamische Identität eine wichtige Rolle“. Es gibt eine immer währende Debatte, die eigentlich weltweit geführt wird und die sich damit befasst, dass durch die Unterrichtssprache Englisch gleichzeitig auch die Kultur gelehrt wird, die mit dieser Sprache verbunden ist. Auch „berührt die Sprache, den Identitätsstatus einer Person, sie beeinflusst die Selbstwahrnehmung und kann zu einer negativen Selbsteinschätzung führen“, sagt Al Ghorani von der Psychologischen Fakultät an der Universität Al Ain. Junge Araber hadern mit ihrer kulturellen Identität, insbesondere in Familien, wo die Kinder und Jugendlichen bereits besser Englisch sprechen als ihre Eltern, die nach wie vor ihr Arabisch pflegen. Dies hat einen „großen Einfluss auf die Eltern-Kind-Interaktion, die Kinder und Jugendlichen spüren ihre Andersartigkeit zu ihren Eltern und dies beeinflusst die Harmonie der Beziehung“, sagt Al Ghorani.

Allerdings ist der Drang zu Englisch als Medium internationaler Kommunikation nicht nur für die Vereinigten Arabischen Emirate relevant. Mit der Globalisierung wurde der Fokus weltweit auf Englisch gelegt und Regierungen strukturieren ihre Bildungslandschaften um und verändern ihre ökonomischen sowie sozialen Stratgien um den internationalen Trends und Standards zu entsprechen. Gerade im Bildungsbereich ist es ein ständiger Wettlauf, um möglichst gut den internationalen Bestrebungen zu entsprechen und Menschen entsprechend auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Es ist nun schwierig, einerseits den Anforderungen der Länder des Arabischen Golfes in Bezug auf „Arabisierung“ gerecht zu werden, sowie das intelektuelle und künstlerische Erbe der Araber zu beleben und sich andererseits international gut aufzustellen. Diese beiden Strömungen miteinander zu vereinbaren, ist in der Tat eine große Herausforderung. Es gibt unterschiedliche Stimmen unter den derzeit Studierenden: nämlich welche, die sich schwer tun mit Englisch und die ihre Ideen nach wie vor lieber in Arabisch vortragen, aber auch solche, die es gut finden, fließend Englisch zu sprechen, denn die „in Arabisch verfügbare Literatur ist bei Weitem nicht so interessant und vielfältig wie die in Englisch vorhandene Literatur“, sagt eine Studentin. Sie findet es o.k. im Studium, in den Malls und beim Reisen, oder in Arbeitszusammenhängen in Englisch zu kommunizieren und zu Hause trotzdem noch Arabisch zu sprechen…

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