Verfasst von: irenejonda | 19. Februar 2011

Wenn die Bücher schlecht sind, können die kids nichts lernen…

Im Artikel vom Peter Hellyer* für die Tageszeitung „The National“ konnte man wieder einmal nachlesen, was ein Dauerthema in den VAE zu sein scheint: die junge Generation weiß zu wenig über ihre Herkunft, Kultur und die wirtschaftlichen Zusammenhänge ihres Landes. Verantwortlich für diesen Missstand wird das Bildungsministerium gemacht, welches das Curriculum entwirft und Schulbücher für staatliche und private Schulen herausgibt. Die englischen Versionen der Schulbücher sind veraltet, voller Rechtschreibfehler; an manchen Stellen sind die Texte sogar unleserlich wie z. B. Namen und Bezeichnungen auf Landkarten. Wie können denn Schüler mit solchen Büchern lernen? Die wenigen Statistiken, die man in den Büchern finden kann, sind mehr als 10 Jahre alt, Zahlen zu Ölproduktion sind von 1996, mit Diagrammen die z.B. zeigen, dass Irland die gleiche Menge des VAE-Öls importiert wie Deutschland. Dabei hat Irland im genannten Jahr gar kein VAE-Öl importiert. Die Bevölkerungszahlen in Schulbüchern sind ebenfalls veraltet und die Statistiken die die Zahlen der Schulkinder betreffen, sind vom Schuljahr 1997-98. Auch fehlen wesentliche historische Daten, wie z.B. die Eisenzeit, der Handel mit Griechenland, welcher in etwa 300 vor Christus blühte oder die Erwähnung des christlichen Klosters auf der Bani Yas Island – gewiss eines der bedeutendsten Gebiete der präislamischen Geschichte. Aber auch die islamische Zeitspanne weist Lücken auf: wesentliche historische Persönlichkeiten, die auf dem Gebiet der späteren Vereinigten Arabischen Emirate lebten, finden in den Geschichtsbüchern keine Erwähnung.

Die Inhalte der Schulbücher, die sich mit der Regierungsstruktur der heutigen Emirate befassen, sind ebenso mangelhaft. Namen und Zuständigkeitsbereiche wichtiger Führungspersönlichkeiten des Landes, Angaben zu ihren Amtszeiten und Funktionen sind schlichtweg falsch und entsprechen nicht der Realität. Familien werden als Stämme bezeichnet und expatriate Gemeinschaften werden erst gar nicht erwähnt. Es ist absolut inakzeptabel, dass das Ministerium keine Anstrengungen unternimmt, um die falschen Daten zu berichtigen und den Schülern ein besseres Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen. Lehrer der privaten und staatlichen Schulen bemühen sich schon seit Langem, bessere Bücher zu bekommen und es überrascht nicht weiter, dass viele LehrerInnen einfach auf andere, verlässlichere Quellen zurückgreifen. Die einzig richtige Entscheidung wäre: die jetzigen Bücher auszurangieren.

* Peter Hellyer ist ein Berater, der sich auf Geschichte und Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate spezialisiert hat.

 

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