Verfasst von: irenejonda | 28. November 2010

Dubaier Schulen kämpfen mit Lehrermangel

Kürzlich berichtete ich hier über die großzügige Versorgung der Schulen im Emirat Abu Dhabi mit englischsprachigen Lehrern. Jetzt aber meldet die Dubaier Bildungsbehörde einen Lehrermangel. Öffentliche Schulen seien unterversorgt und man bräuchte mindestens 102 neue Lehrkräfte. Nach einer systematischen Überprüfung des Schulbedarfs stellte die „Knowledge and Human Development Authority“ (KHDA) fest, dass im Emirat Dubai 81 weibliche und 21 männliche Lehrkräfte fehlen, der größte Bedarf besteht im Fach Mathematik, wo insgesamt 20 LehrerInnen fehlen. Die niedrigen Gehälter sowie fehlende Beförderungsaussichten haben emiratische Staatsangehörige bislang davon abgehalten, den Beruf eines Mathematiklehrers zu ergreifen, was u.a. zu diesem Mangel geführt hätte, sagt Ms. al Marri von der KHDA. Ensprechend vorliegender Zahlen, fehlen insgesamt 800 LehrerInnen in allen sieben Emiraten. Mitarbeiter des Bildungsministeriums machen jedoch den großen Verwaltungsaufwand für die Schwierigkeiten verantwortlich, fehlende Lehrer aus dem Ausland zu rekrutieren  und hoffen diese Probleme bald lösen zu können. Allerdings spielt Herr Humaid al Qattami, Direktor des Bildungsministerium diesen Mangel herunter, denn die fehlenden LehrerInnen machten insgesamt nur 2 Prozent aller Lehrer aus, die vom Ministerium beschäftigt werden. Jedes Jahr würden etwa 800 neue LehrerInnen eingestellt, der momentane Mangel ist also -verteilt auf alle Emirate- fast schon unwesentlich und nicht der Rede wert. Zudem sind die fehlenden Lehrer bereits rekrutiert, die schriftlichen Formalitäten brauchen nur entsprechend lang.

Doch selbst wenn die Formalitäten rasch erledigt werden, ein wesentlicher Punkt heizt die Debatte weiter an: lokale Bildungsexperten kritisieren nämlich die Abhängigkeit von ausländischen Lehrkräften – dies würde die nationale Identität sowie die Kultur des Landes untergraben… Dr. Maryam Sultan Lootah, Professor der Politikwissenschaft an der UAE University, untersuchte die Bildungsrichtlinien, die in den VAE derzeit implementiert sind und vertritt die Meinung, dass der „Import“ englischsprachiger Lehrkräfte, um arabische Kinder zu unterrichten nicht als Methode verstanden werden sollte, das Bildungssystem zu verbessern. „Diese LehrerInnen kommen ohne jegliches Verständnis unserer Kultur in dieses Land, wie können sie  denn unsere Kinder in kultureller Hinsicht unterrichten? Auch können diese Lehrer kein Arabisch sprechen, wie können sie dann Kinder unterrichten, die sie nicht richtig verstehen? Das ist ein großer Schwindel“. Ms. Al Maari von der KHDA, die wohl der gleichen Überzeugung ist, brachte ein Beispiel: ein europäischer Lehrer hätte das Umrunden der Ka’aba in Mecca mit Götzendienst verglichen und einige seiner Schüler hätte er als Terroristen bezeichnet… Alle an der Debatte um Lehrermangel beteiligten Parteien sind sich einig, dass es zu wenig männliche emiratische Lehrer gibt. Das ist in erster Linie ein großes Problem für die Jungs. Emiratische Männer wollen keine Lehrer werden, denn sie bekommen ein niedriges Gehalt und keine Sonderleistungen, wie z.B. Häuser oder sonstige Zuwendungen, die sie in anderen Jobs bekämen. Lehrer an öffentlichen Schulen bekommen ein Gehalt von 16.000 Dirham (~€ 3200) das im Vergleich zum Arbeitsaufwand als „sehr niedrig“ bezeichnet werden kann, sagt Ms. Marri. Obwohl sich heute rund 60 % mehr Männer für eine Lehrerausbildung interterssieren, als noch im Jahre 2007, ist es nach wie vor eine Harausforderung junge Männer für diesen Beruf zu gewinnen. Das Ministerium arbeitet daran, die Gehälter zu erhöhen und ein Lizensierungsprogramm zu verabschieden, um höhere Standards durchzusetzen. „Der Lehrerberuf soll nicht denjenigen vorbehalten sein, die keinen Beruf haben“ sagt Mr. al Suwaidi.

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