Verfasst von: irenejonda | 24. Oktober 2010

Schulausschluss wegen einer Sprachstörung

Während die Mutter des Kindes meint, ihr Sohn hat lediglich eine leichte Sprachbeeinträchtigung, behauptet die Schule dass das Kind zu schwierig und daher in einer Regeleinrichtung nicht zu halten ist. Khan (so der Name des Kindes) wurde von einer Schule in Sharjah abgelehnt, wobei er bereits an einer Sprachtherapie und an einer Beschäftigungstherapie teilnimmt. Die Ärzte haben der Familie zugesichert, dass er nicht in eine Sonderschule muss. Seine Sprachentwicklung ist zwar verzögert, aber sobald er sich unter andere Kinder mischt, wird er aufholen, haben sie prophezeit.

Jeder spricht in den Emiraten von Integration, doch die Realität sieht leider anders aus. Die Mutter betont, dass sie täglich mindestens noch 2-3 andere Schulen aufsucht, doch sobald der -wenn auch minimale- Sonderbedarf ihres Kindes erwähnt wird, lehnen die Schulen eine Aufnahme ab. Ihrem Sohn gefällt die Idee, zur Schule zu gehen und er will sich jeden Tag dafür fertig machen. „Ich finde keine Worte ihm zu erklären, dass er keinen Schulplatz hat“, sagt die Mutter – „diese Schulen geben einem das Gefühl, dass es ein Verbrechen ist, beeinträchtigt zu sein“. Ein Sprecher der Schule, von welcher Khan nach 2-wöchigem Besuch abgelehnt wurde argumentiert, dass es an der Schule eine spezielle Abteilung für Fördermaßnahmen gibt und dass dort bereits einige Kinder angemeldet sind und betreut werden. Es werden keine Kinder mehr aufgenommen, sobald die Schule den speziellen Bedarf der Kinder nicht abdecken kann. Nachdem die Eltern von Khan bei der Anmeldung ihres Sohnes keine weiteren Informationen gegeben haben, dass das Kind Sonderbedarf hat, kann im Nachhinein auch keine entsprechende Unterstützung mehr angeboten werden. Die Schule ließ das Kind 2 Wochen lang beobachten und stellte fest, dass es „gestört“ ist, asozial und nicht in der Lage zu kommunizieren oder Anweisungen zu folgen. Man ist der Meinung, dass eine intensive Therapie und professionelle Hilfe notwendig ist, die die Schule derzeit nicht leisten kann…

Die Dubaier Schulbehörde hat nun damit begonnen Schulen darauf hin zu untersuchen, welche Anstrengungen in Bezug auf Integration unternommen werden. Einige Schulen bilden bereits ihr Lehrpersonal fort und gründen auch Sonderbedarf-Abteilungen. Bei vielen Bildungseinrichtungen handelt es sich jedoch bislang um reine Lippenbekenntnisse wenn sie von Integration sprechen. Dabei wollen doch immer mehr Eltern beeinträchtigter Kinder entsprechende Fördermöglichkeiten für ihren Nachwuchs. Und die Berichte über fehlende Beschulungsmöglichkeiten für Kinder mit Förderbedarf häufen sich. Erst kürzlich informierte die Gulf News, eine Englischsprachige Tageszeitung in Dubai, von einem Kind mit autistischen Zügen, das von einem Kindergarten in Dubai abgelehnt wurde, obwohl ein ärztliches Gutachten vorlag, welches den Besuch einer Regeleinrichtung befürwortete.

Im oberen Beitrag beziehe ich mich auf den Artikel Speech disorder in der Gulf news vom 25. Oktober 2010.
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Responses

  1. Hallo Irene

    Dein Bericht geht ans Herz. Integration ist ja auch bei uns, wie du weisst, ein aktuelles Thema. Die Schule muss noch sehr viel lernen, denke ich. Denn ich bin überzeugt davon, dass Integration gelingen kann. Sie beginnt im Kopf und brauchbare Konzepte müssen auch nicht neu erfunden werden. Wir stehen auch hier noch ganz am Anfang, für mich ist es ein verheissungsvoller…

    Liebe Grüsse

    Katharina

    • Liebe Katharina,

      danke für Deinen Besuch. Ja, Integration kann gelingen und sie muss auch gelingen! Das Thema ist hoch aktuell und von Dauer, wenn ich das mal für die Emirate sagen darf. Allmählich beginnt die Gesellschaft die Existenz behinderter Menschen zu „bejahen“ und nicht mehr zu leugnen, man sieht mehr körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen in der Öffentlichkeit, der Umgang beginnt ungezwungener zu werden, Inklusionsmaßnahmen innerhalb der Bildungseinrichtungen werden eingefordert. Gerade in der arabischen Welt treten genetisch bedingte Beeinträchtigungen aufgrund der Heiratspraktiken zwischen Blutsverwandten verstärkt auf, in diesem Artikel: http://www.bmj.com/content/333/7573/831.full wird von 25%-60% Verbindungen unter Blutsverwandten gesprochen. Der Artikel ist zwar alt, die Zahlen dürften jedoch immer noch die Realität abbilden. In Al Ain findet jährlich eine Genetik-Konferenz statt für den gesamten Mittleren Osten. Ursachen genetischer Veränderungen werden dort in Bezug auf den oben genannten Aspekt schonungslos diskutiert…

      Beste Grüße – Irene


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