Verfasst von: irenejonda | 18. Oktober 2010

Sponsorship System in den Emiraten und sein Einfluss auf den Arbeitsmarkt

Die übliche „Sponsorship-Praxis“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten muss neu durchdacht werden. Die gängige Praxis ist, dass alle Expatriates, die hier arbeiten durch ihre Firma gesponsert werden müssen. Minister Sayr Ghobash, vom Arbeitsministerium sagte kürzlich in einem workshop in Dubai, dass dieses System dringend überprüft werden muss. Es muss zwischen den Richtlinien an sich und der dazugehörenden Praxis unterschieden werden, sagte er. Herr Ghobash stellte z.B. eine Verbindung zwischen dem Sponsorship und der Emiratisierung her. Dieses System erlaubt den Arbeitgebern, die Gehälter niedrig zu halten, was gleichzeitig bewirkt, dass emiratische Staatsangehörige auf dem Arbeitsmarkt nicht konkurrieren können (weil sie höhere Gehälter beanspruchen). Der eintägige workshop, der vom Arbeitsministerium in Kooperation mit dem Dubai Economic Council abgehalten wurde diente dazu, sowohl die Höhe der Gehälter als auch die Kosten zu diskutieren, die dem Staat entstehen, die entsprechende Infrastruktur und andere Dienstleistungen für ausländische ArbeitnehmerInnen bereitzustellen. Zur Zeit belaufen sich diese Kosten auf rund 50 Milliarden pro Jahr. Der workshop hob hervor, dass es wichtig ist, ungelernte Arbeitnehmer allmählich aus dem Arbeitsmarkt zu verdrängen, im Hinblick auf die Schaffung einer Wissensgesellschaft, die ausgebildete Arbeitskräfte bevorzugen muss und dringend benötigen wird. Derzeit sind 80% aller Arbeitnehmer in den Emiraten ungelernt.

Im Rahmen des workshops wurden auch Zahlen einer Untersuchung aus dem Jahre 2009 vorgestellt, zu Gehältern und Bildungslevel verschiedener Gruppen des Landes, Emiratis inbegriffen. Das Sponsorensystem war bislang zwar gut geeignet, talentierte Arbeitskräfte zu rekrutieren, doch die Bestimmungen, die folgten (z.B. die Einschränkung der Mobiltät der Arbeiter) führten zu einer Stagnation auf dem Arbeitsmarkt und hielten die Arbeitskräfte von Fort- und Weiterbildung ab. Hinzu kam die Praxis der sogenannten „No Objection Certificates“ (NOC). Es handelt sich um eine Einverständniserklärung des Arbeitgebers in Bezug auf einen Firmenwechsel vor Ablauf der vereinbarten 3-Jahres Frist. Ein Arbeitnehmer muss die Einverständnis seines Arbeitgebers erlangen, bevor er den Arbeitsplatz wechseln darf. Einige Arbeitgeber nutzen das NOC, um den Arbeitnehmer dazu zu bringen, auf Vorteile zu verzichten, die ihm normalerweise mit dem Ende der vertraglich vereinbarten Zeit zustehen würden – eine Praxis, die gegen das Arbeitsrecht der VAE verstößt.

Andere Firmen setzen wiederum die Praxis fort, die Pässe ihrer Mitarbeiter zu verwahren. Dies geschieht entgegen den klaren Anweisungen der Regierung und ist illegal.

Die genannte Untersuchung enthüllte eine große Lücke zwischen den Verdiensten emiratischer Männer und emiratischer Frauen, obwohl Frauen im Durchschnitt 2 Jahre mehr Bildung vorzuweisen haben als Männer. Auch bestehen große Gratifikations-unterschiede zwischen Arbeitnehmern aus den westlichen Industrieländern und Arbeitnehmern aus dem Mittleren Osten oder den asiatischen Ländern. Völlig außer Konkurrenz sind Emiratis, die in den gleichen Berufen und/oder Funktionen arbeiten wie Menschen aus den benachbarten GCC Ländern oder aus dem Westen. Sie verdienen -trotz gleichen Bildungslevels- deutlich mehr. Und während sich die Gehälter für Arbeitnehmer aus Asien, dem Mittleren Osten und der gesamten Mena Region nach der Sekundarstufe erhöhen, erreichen sie doch nie das Niveau der Emiratis selbst. Zum Beispiel würde jemand mit einem Doktortitel aus der Mena Region ein Drittel weniger verdienen als sein emiratischer Kollege (oder jemand aus einem westlichen Industrieland) obwohl er die gleichen Voraussetzungen erfüllt.

 

In Anlehnung an den Artikel in der Tageszeitung „The National“: Sponsorship practices merit rethink

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