Verfasst von: irenejonda | 8. Oktober 2010

Die erste Education Conference in den Emiraten

Die erste Bildungskonferenz in den Emiraten wurde vom 5.-6. Oktober 2010 im ECSSR (Emirates Center for Strategic Studies and Research) abgehalten.

Photo: I. Jonda

Es fanden sich viele Bildungsexperten aus den verschiedenen Emiraten zusammen, auch konnten einige Gäste aus den GCC (Gulf Cooperation Council) Ländern begrüßt werden. Man diskutierte den momentanen Zustand und die angestossenen Veränderungen in der Bildungslandschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, besonders des Emirats Abu Dhabi. Eines der Themen, die das Autorium beschäftigten, war die kürzlich durchgeführte Aktion, 960 Englisch-sprachige LehrerInnen zu rekrutieren und in den Schulen und Kindergärten des Emirats einzusetzen, wie hier bereits berichtet wurde. Lokale Bildungsexperten qualifizierten diesen Schritt als eine externe Intervention ab, die den kulturellen Verfall und den Verlust der nationalen Identität bewirken wird. Kritisiert wurde deutlich, dass das Bildungsministerium viele Aspekte vernachlässigt hat, die für den Erfolg nötig gewesen wären. „Ausländische Experten kommen ins Land und arbeiten an einem Programm, ohne die kulturellen Sensibilitäten zu verstehen“, sagte Dr. Lootah in einem der Vorträge auf der Konferenz. „Der größte Teil des Budgets des Bildungsministeriums wurde für diese ausländischen Experten ausgegeben, regionale Programme haben dagegen keine Chance“, sagte sie.

Es hat natürlich seine Gründe, weshalb das New Model Programm aufgesetzt wurde dessen Teil der verstärkte Englisch-sprachige Unterricht ist, denn wie Sheikh Nahyan in seiner Eröffnungsrede angemerkt hat, gibt es eine große Lücke zwischen der Bildung an staatlichen Schulen und der tertiären Bildung. Mehr als 90% aller Einheimischen müssen zunächst ihr Englisch aufbessern, bevor sie sich an den Universitäten ordentlich einschreiben können. Dies ist natürlich eine große finanzielle Belastung für das Land, sagte Sheikh Nahyan. Dem hält Dr. Lootah und andere Bildungsexperten entgegen, dass die Überbetonung von Englisch im universitären Level die arabische Sprache völlig untergräbt. Wenn tatsächlich nur noch wenige Fächer in Arabisch unterrichtet werden, muss man sich am Ende nicht  wundern oder beschweren, dass man die Identität verloren hat, sagte Lootah. Bereits 1999 gab es ähnliche Vorschläge (Englisch an den Schulen einzuführen) die dann jedoch verworfen wurden, denn die meisten regionalen Lehrer wehrten sich dagegen, Methoden und Vorschläge, die aus dem Ausland kamen umzusetzen. Dieses Jahr wurde nun die Stategie 2010-2020 vorgestellt und es gibt vergleichbare Sorgen, die von Bildungsexperten geäußert werden. Sie wollen lieber, dass das Bildungsministerium stärker in Richtung Emiratisierung agiert. Statt dessen werden aber Tausende von Experten aus Englisch-sprachigen Ländern rekrutiert: LehrerInnen, BeraterInnen, Curriculum EntwicklerInnen. Auch wenn es einen dokumentierten Mangel an emiratischen Bildungsexperten gibt, glauben viele dass es nicht notwendig ist überhaupt Lehrer aus dem Ausland anzuwerben. „Wir haben gute, qualifizierte Lehrer, die mit den Schülern in ihrer Muttersprache kommunizieren können“, sagt Hessa Ali, eine Mathematik-Beraterin für 11 Schulen in Ras al Khaimah. „Wie können diese SchülerInnen eigentlich lernen, wenn sie gar nicht mit dem Lehrer kommunizieren können, da sie ja zu Hause Arabisch sprechen“, sagt Hessa. Sie würde es begrüßen, wenn alle Fächer in Arabisch unterrichtet werden würden. Englisch kann eine zweite Fremdsprache sein, die durch besseres Unterrichtsmaterial und Lehrerfortbildung neu aufgesetzt wird. Zwei Positionen, die einander unversönlich gegenüber stehen.

 

Hier kann man den Artikel der „National“ zum gleichen Thema lesen: Being taught in English undermines local identity

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