Verfasst von: irenejonda | 29. September 2010

Unerwartete Schlüsselübergabe versöhnt frustrierte Lehrkräfte…

Das muss man sich einmal vorstellen: das Emirat Abu Dhabi lässt mal eben 940 Englisch sprachige Lehrkräfte einfliegen, um den Unterricht an den staatlichen Schulen zu verbessern. Eine logistische Herausforderung, führt man sich das gesamte Prozedere einmal vor Augen: Aufenthaltsgenehmigungen, Arbeitsvisa, Identifikations-ausweise, Gehälter, Krankenversicherungen, Häuser und Wohnungen, Wohnungs-ausstattungen, Transport zu den Schulen die außerhalb der Stadt liegen, u.a.m. Bis alle Details geklärt sind, wohnen die Neuangekommenen in Hotels und häufen -verständlicherweise- im Laufe der ersten Wochen eine ganze Menge Frust und Beschwerden an.  Von den neuen 940 Lehrkräften sind etwa 650 in Al Ain untergebracht, der zweitgrößten Stadt des Emirats Abu Dhabi. Sie alle kamen neulich zu einem Treffen mit ADEC Verantwortlichen, welches im Intercontinental Hotel in Al Ain abgehalten wurde.

Nachdem sie bereits seit 2 Monaten im Land sind und mittlerweile ziemlich ungeduldig in Bezug auf die Aktivitäten der verantwortlichen Behörde geworden sind, haben sie zu diesem Treffen Beschwerden mitgebracht, nicht aber die Hoffnung, ihre Wohnungsschlüssel in Empfang nehmen zu können. Damit hat wohl niemand wirklich gerechnet und die Freude darüber wurde in einem überschwänglichen Applaus ausgedrückt. Nach der langen Zeit in der sie in Hotels wohnen mussten (manche von ihnen mit Kindern) ohne im Besitz ihrer Pässe zu sein, ohne die Möglichkeit zu haben Bankkonten zu eröffnen, Autos zu mieten oder auch nur eine mobile Nummer beantragen zu können, waren sie entsprechend geladen. Frustriert durch den Mangel an Informationen seitens ADEC drohten schon manche Lehrer in ihre Heimatländer zurückzukehren. Nicht gezahlte Gehälter verursachten insgesamt schwierige Bedingungen für ganze Familien. So ist also nachvollziehbar, dass viele eine gehörige Portion Frust angehäuft haben, dem sie bei einem Treffen mit ADEC ordentlich Luft verschaffen wollten. Dass bei diesem Treffen die Wohnungsschlüssel ausgehändigt wurden, war wohl eine gelungene Überraschung! Jetzt kann das Möbelgeschäft boomen, denn nachdem Einrichtungspauschalen ausgezahlt wurden, können nun auch die  ersehnten Unterkünfte eingerichtet werden. Hunderte Krankenversicherungskarten wurden bei diesem Treffen denjenigen ausgehändigt, die bereits eine gesundheitliche Untersuchung absolviert haben, Visa und Identitätsausweise sind in Arbeit… Derweil unterrichten die LehrerInnen bereits seit 2 Wochen – hoffentlich hat sich der Frust aufgrund der anfänglichen Schwierigkeiten nicht auf die Qualität ihres Unterrichts niedergeschlagen….

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Responses

  1. Hallo Irene

    In der Tat, ein Riesenunterfangen. Da bleibt zu hoffen, dass die Schlüsselübergabe der Schlüssel des Erfolgs ist.

    Was heisst das denn genau, den Unterricht an den staatlichen Schulen zu verbessern? Inwiefern wird der durch englischsprachige Lehrkräfte besser?

    Und weiter frage ich mich: Was treibt diese englischsprachigen Lehrkräfte an, eine solche Prozedur auf sich zu nehmen?

    Grüss dich

    Katharina

    • Hi Katharina,

      ich hatte vor ein paar Tagen hier gebloggt, dass der neue Ansatz im Emirat Abu Dhabi „bi-literal“ heißt. Die SchülerInnen werden sowohl in Arabisch als auch in Englisch unterrichtet. Dies ist ein entscheidender Aspekt des neuen Schulmodells und soll die Wende bringen. Englisch ist die Sprache der Wissenschaft, der Technologie und des business. Man kann sie nicht mehr ignorieren, will man den Anschluss an die globale Wirtschaft schaffen. Englisch eröffnet den SchülerInnen die Möglichkeit, sowohl in den Emiraten als auch im Ausland den Übergang in den tertiären Sektor besser zu meistern. Im Moment müssen die Studienwilligen zunächst aufwändige Förderkurse in Englisch belegen, um überhaupt an den Universitäten studieren zu können. Man spricht da von ~90% aller SchülerInnen, die nach 12 Jahren Schulenglisch immer noch nicht genug Englisch können, dass sie ohne Probleme (in Englisch) studieren könnten.

      Was motiviert diese Lehrer den Umzug auf sich zu nehmen? Vielleicht waren sie in ihrem Heimatland arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht? Oder sie wollten schon immer mal im Ausland arbeiten? Neue Erfahrungen sammeln? Das schöne Wetter genießen? Die Abenteuerlust ausleben? Eine Abwechslung im eintönigen Berufsleben haben? Bessere Verdienstmöglichkeiten? Die Gründe mögen vielfältig sein und dürften von Person zu Person unterschiedlich sein. Jedenfalls wird viel Hoffnung in diese Lehrkräfte gesetzt, sie sollen tatsächlich die Wende im Bildungssystem der Emirate bringen. Ein hoher Anspruch.

      Beste Grüße – Irene

  2. Hallo Irene

    Danke für deinen Bericht. Es mutet fast schon «heimelig» an, dass Sprache(n) und Lernformen «hüben wie drüben» ein Dauerbrenner in der Bildungsdiskussion sind. Und auch, dass die Umsetzung von anspruchsvollen Bildungszielen letztlich in der Hand der LehrerInnen liegt.

    Den Motiven und Gründen für dieses Engagement bei «euren» Lehrkräften würde ich gerne näher auf den Grund gehen.

    Liebe Grüsse

    Katharina

    • Liebe Katharina,

      ich habe noch einen ganz wichtigen Grund vergessen: es gibt auch LehrerInnen, die arabische Wurzeln haben und in einem Englisch sprachigen Land aufgewachsen sind (USA, Kanada, Australien, UK). Sie wünschen sich als Erwachsene eine Zeitlang im arabischen Raum arbeiten zu können, kehren sozusagen in die Herkunftsregion ihrer Eltern zurück und bieten somit ihren eigenen Kindern die Möglichkeit, Arabisch zu erlernen oder zu praktizieren. Leider geht die Rechnung nicht immer auf, denn bei mehreren Kindern reicht das Gehalt kaum aus, um teure Privatschulen zu finanzieren. Also geht die Hälfte der Familie manchmal wieder zurück und der/die VertragsinhaberIn macht den Vertrag fertig und verlässt danach auch wieder den arabischen Raum. Aber es gibt natürlich auch Geschichten gelungener Umsiedlung auf Dauer (d.h. mehrere Jahre).

      Gruß – Irene

  3. Danke für deine Erklärungen, Irene :-).

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