Verfasst von: irenejonda | 18. September 2010

Deutsche Standards in der arabischen Wüste

Unter dieser Überschrift erschien kürzlich ein Artikel von Rainer Hermann in der FAZ.Net. Berichtet wird darin von zwei Zentren für berufliche Aus- und Weiterbildung im Emirat Abu Dhabi. Eines der Zentren befindet sich in der Wüstenstadt Madinat Zayed, im Westen Abu Dhabis, das andere in der Oase Al Ain. Beide Zentren werden von der deutschen „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit – International Services“ (GTZ IS) seit September 2008 gemanaged. Die Curricula werden auf der Grundlage deutscher Ausbildungs- und Industriestandards entwickelt, mit dem Ziel dem Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Die Ausbildungsgänge (u.a. Industriemachatronik, Technisches Zeichnen, Informations-technologie, angewandtes Management, Design, industrielle Technologie und medizinische Versorgung) dauern 3 Jahre; im 4. der 6 Semester stehen Praktika auf dem Programm, die in den ortsansässigen Unternehmen absolviert werden. Die Praktika führen die SchülerInnen „in die wirkliche Welt ein, in der man sich den Lebensunterhalt hart erarbeiten“ muss, sagt ein Schüler. Sie lernen dort praktisch zu arbeiten und mit anderen zu kommunizieren – dies alles gehört zum unschätzbaren Wissen, das sie aus einem solchen Praktikum mitnehmen. Die Regierung des Emirats Abu Dhabi verfolgt seit geraumer Zeit eine Politik der Emiratisierung, wodurch der Anteil der einheimischen Bevölkerung an der Erwerbsbevölkerung erhöht werden soll.

Die meisten LehrerInnen der beiden Zentren sind Deutsche. Die Labore und Ausbildungsstätten der Schulen sind mit deutscher Technik und nach deutschen Standards ausgestattet. Unterrichtssprache ist Englisch. Das Berufsbildungszentrum in der dünn besiedelten westlichen Region Abu Dhabis bietet den Jugendlichen zum ersten Mal eine Gelegenheit zur Ausbildung nach der 12-jährigen Schulpflicht. Für viele Jugendliche ist es die einzige Chance einer Weiterqualifizierung, vor allem für die Mädchen, die ihren Familien die Zustimmung zur Ausbildung oftmals hart abringen müssen. Mehr als ein Drittel der Schüler hat sich für das Fach industrielle Technologie entschieden, will also technische/r ZeichnerIn werden, IndustriemechatronikerIn oder MaterialprüferIn. Mit einem Diplom der Schule könne ein Absolvent sich um einen Arbeitsplatz bewerben, an die Universität wechseln oder selbständig werden, sagt Munzert, Direktor der Schule in Madinat Zayed.

Vor allem junge Frauen stehen im Mittelpunkt des Projekts

Myriam erstellt im ihrem Praktikum die genauen Pläne einer Fabrik; sie wird zur technischen Zeichnerin ausgebildet. Bildmaterial: GTZ


Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Projekte nicht den deutschen Steuerzahler belasten, da sie anders konzipiert sind als klassische GTZ Projekte. Auftraggeber und Financier ist die Schulbehörde des Emirats Abu Dhabi, das „Abu Dhabi Education Council“ (seit dem 1. September ist eine gesonderte Berufsbildungsbehörde, nämlich das Abu Dhabi Centre for Technical and Vocational Education and Training zuständig). „Die Gewinne aus den Projekten der GTZ International Services fließen in eine Risikorücklage und in einen Fonds für gemeinnützige Projekte“, sagt Jürgen Koch, der Büroleiter der GTZ in Abu Dhabi für die Golfregion. Von dort aus betreut er in fünf der sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) kommerzielle Projekte der GTZ. In vielen steht die Qualifizierung der einheimischen Bevölkerung im Vordergrund.

Weitere Informationen zu den Zentren finden Sie hier (Al Ain) und hier (Madinat Zayed/Al Gharbia).


Advertisements

Responses

  1. Ms. Jonda,
    Please, WHO ARE YOU ?
    How can you dare to write open on the net that my employer has changed by 1st September 2010 – and I do not even have an official statement about this?

    • Sehr geehrte Frau Kupka,

      ich verstehe nicht ganz Ihren Einwand. Seit dem 1. September ist die zuständige Behörde für alle Institute im Bereich des „Vocational Education and Training“ das: Abu Dhabi Centre for Technical and Vocational Education and Training. Bitte lesen Sie dazu meinen Beitrag vom 1. September 2010.

      Beste Grüße – Irene Jonda


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: