Verfasst von: irenejonda | 29. August 2010

Das deutsche Ausbildungscamp für Wüstensöhne..

… unter diesem Titel erschien kürzlich ein langer Beitrag in der Financial Times Deutschland von Horst von Buttlar aus Suhl. Berichtet wird darin von einem interessanten Projekt in der thüringischen Provinz. Seit der Übernahme eines dort ansässigen Unternehmens durch einen Emirati, wird jedes Jahr eine Gruppe Studenten aus Abu Dhabi nach Thüringen geschickt, um „deutsche Tugenden zu erlernen“, denn diese werden von einigen Scheichs in ihrem Heimatland als äußerst wichtig erachtet. Sie sollen deutsches Handwerk, deutsche Präzision, deutsche Ordnung lernen. Die emiratischen Jugendlichen im Alter von 17 oder 18 Jahren leben 10 Monate in Suhl und studieren an der Simson Private Akademie, einem Ausbildungszentrum für Schweiß- und Metallhandwerk. Eine Ausbildung in Deutschland wird hoch geschätzt, denn das Programm kombiniert Ausbildung mit Training und einer „on-the-Job-Erfahrung“. Und das ist das, was den Studenten der Vereinigten Arabischen Emirate helfen soll, später den „Anforderungen der aufstrebenden Industrie ihres Landes gerecht zu werden“. Die Jugendlichen sind ehrgeizig und streben Führungspositionen an. Dafür gehen sie nach Suhl, in eine Kleinstadt in Deutschland in der es nur wenige Geschäfte gibt und die auch sonst wohl kaum mit emiratischen Glitzermetropolen zu vergleichen ist. Hamdan kommt, wie viele seiner Mitschüler, aus einer wohlhabenden Familie aus Al Ain im Emirat Abu Dhabi. Nach einem Sprachkurs in Deutsch, den die Jugendlichen noch in ihrem Heimatland absolvierten, verbrachten sie zwei Monate in deutschen Gastfamilien (in Suhl), wobei Sprachschwierigkeiten die Verständigung oftmals hemmten aber nicht unmöglich machten. Sie lernten Wäsche waschen und genossen deftige thüringer Küche. Danach zogen sie ins Hotel, wo sie auf einer Etage leben und sich auf das Lernen konzentrieren können. Die Jugendlichen lernen in einem uralten Unternehmen, einem Hersteller von Jagdwaffen. Die Firma Merkel wurde 1898 gegründet; in Suhl florierte dank des Erzes und des vielen Holzes aus dem Thüringer Wald seit dem Mittelalter das Büchsenmacherhandwerk. Merkel erlebte nach der Wende viele Höhen und Tiefen, bis es 2007 von Caracal International, einem Waffenhersteller aus Abu Dhabi gekauft wurde. „Abu Dhabi investiert in seine Zukunft“, sagt Olaf Sauer, der Geschäftsführer von Merkel. Man denke strategisch und will das Land entwickeln. Das Ziel ist, „die vom Öl dominierte Wirtschaft zu diversifizieren“. Sauer ist überzeugt davon, dass Maßnahmen wie diese, sich in Zukunft auszahlen werden, denn: „diese Jungen sitzen in zehn Jahren in irgendwelchen Unternehmen und entscheiden über Geschäfte – und kennen Deutschland. Und nicht die USA. Sie kennen unsere Art und unsere Industriekultur.“ Bereits zum 2 Mal sind 20 Studenten in Suhl und durchlaufen das Programm, das einst wie ein kühner Plan anmutete. Bisher ist alles gut gegangen, keine Angriffe von Rechtsradikalen, keine Skandale, keine Abbrüche. In diesen Tagen fährt die Gruppe nach Hause. Mit einem IHK Zertifikat und mit der Aussicht noch einige Jahre zu studieren, bevor sie „richtige Ingenieure“ werden.

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