Verfasst von: irenejonda | 30. Juni 2010

Die Hochzeit kann warten…

Nicht nur, dass Frauen in den VAE sich immer stärker für die männlich dominierten Berufe interessieren – wie hier neulich berichtet, auch sind sie bereit ihre Heirat und die Gründung einer Familie bis auf Weiteres zu verschieben, um zunächst eine Ausbildung zu absolvieren und um die ersten Erfahrungen im Berufsleben zu machen, wie eine Studie heraus gefunden hat.

Photo: Lauren Lancaster for „The National“

Dr. Monica Gallant, Vorsitzende des „Business Department at Dubai Women’s College sagt, dass viele emiratische Frauen heute älter bei ihrer Heirat sind, als noch vor wenigen Jahren. Es gibt ein größeres Verständnis für die Notwendigkeit einer Ausbildung und ökonomischer Druck ermutigt (oder zwingt?) die Frauen sich zu bilden. Der Trend, Bildung mehr zu schätzen und einer Heirat vorzuziehen, spiegelt die Erkenntnisse einer englischen website singlemuslim.com, die mehr als 3900 Teilnehmenden die Frage stellte: „denkst du dass es wichtig ist, deine Ausbildung zu beenden, bevor du heiratest?“ 45% der Befragten sagten, Bildung sei wichtiger als Heirat. Nur 10% sagten das Gegenteil.

Gebildete Frauen heiraten in der Regel im Alter von 27 Jahren, während die Frauen ohne universitäre Bildung meistens früher heiraten. Viele emiratische Frauen fürchten, dass ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt sinken, wenn sie älter werden. Shoula al Masoud, die Frau auf dem Photo hier sagt, viele Familien haben mindestens eine 30 jährige Tochter, die noch nicht verheiratet ist. Wenn man „ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist es nicht mehr so einfach, einen Mann zu finden“, sagt sie. Sie selbst machte ihren Master in den Vereinigten Staaten und ging danach zurück in die VAE, um zu arbeiten.

Nicht nur die Einstellung der Frauen ändert sich in Bezug auf Heirat und Ausbildung; auch die emiratischen Männer denken um. Eine vor 3 Jahren durchgeführte Studie der Zayed University offenbarte, dass 74% der Männer lieber eine Frau mit höherer Bildung heiraten wollen. 63% der Frauen wären damit einverstanden, einen Mann zu heiraten, der weniger gut ausgebildet ist als sie selbst…

Wie auch immer, es wird darauf ankommen, beide Wünsche nämlich den Wunsch eine gute Ausbildung zu absolvieren und den Wunsch „eine/n BegleiterIn im Alter zu haben“ miteinander zu verbinden.

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Responses

  1. Danke fuer den spannenden Artikel! Da wird ja mit ein paar Vorurteilen aufgeraeumt. Finde ich hochinteressant, dass sie da einiges tut und Bildung wichtiger als Heirat wird. Siehst du das fuer VAE so oder ueber den geographischen Raum hinaus?

    • Hallo Ingrid,

      meinst Du mit „über den geographischen Raum hinaus“ die Golfstaaten oder die ganze Welt? Mit der ganzen Welt wäre ich jetzt überfordert (äh), in den Golfstaaten sind die Entwicklungen nicht immer mit den Entwicklungen hier in den Emiraten vergleichbar, auch hier ziehe ich es vor mich dezent zurück zu halten. Manche Staaten sind da schon einen Tick weiter, manche Staaten noch sehr in ihren Traditionen verwurzelt. Wie auch immer, es sind Einzelfälle von denen ich hier berichte. Noch lässt der gesellschaftliche Ruck auf sich warten, noch kann ein Bruder, Vater oder Ehemann seiner Schwester, Tochter oder Frau den Besuch einer Bildungseinrichtung untersagen und sie hat sich zu fügen. Noch müssen erwachsene Frauen, die zum Teil mehrfache Mütter sind, die Einverständnis ihrer männlichen Verwandten einholen, wenn sie an einem Ausflug mit ihrer Klasse (=berufliche Bildung) oder ihrer Studiengruppe (=universitäre Bildung) teilnehmen wollen. Hier ist noch Entwicklungspotenzial gegeben, sage ich mal.

      Beste Grüße – Irene

  2. Das ist wirklich ein spannendes Thema – gerade weil es so differenziert ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass – je tiefer man in eine fremde Kultur eintaucht – solche Dinge immer schwieriger zu fassen sind. In China ist es beispielsweise so, dass sich auch hier noch viele Familien einen Jungen wünschen. Die Ein-Kind-Politik trägt sicher ihren Teil dazu bei. Doch gerade in den Städten ist auch eine Änderung zu verfolgen. Was die Bildung betrifft habe ich auch tatsächlich bei vielen Frauen festgestellt, dass die Universität auch oft als Heiratsmarkt betrachtet wurde und die eigene Weiterbildung eher in den Hintergrund geriet. Die Gründe hierfür sind sicher auch sehr vielfältig. Andererseits gab es auch einige Studentinnen, die alles daran setzten eine gute Ausbildung zu erhalten um später unabhängig zu sein. Ein weites Feld …
    LG Verena

    • Hallo Verena,

      danke für Deinen Kommentar, inzwischen habe ich auch Deinen blog besucht und mich wieder erinnert, dass Du in China gelebt hast und auch wieder hingehst… Die Regulierung der demographischen Entwicklung im Riesenreich war sicher eine gute Idee, aber viel zu spät haben die Chinesen gemerkt, dass sie mit ihrer Ein-Kind-Politik in diesem Kulturkreis einen Jungen-Überhang schaffen. 50-60 Millionen Männer werden deshalb in den nächsten Jahren keine Frauen zum Heiraten finden. Das ist heute schon zu einem Riesenproblem geworden. Es laufen richtige Kampagnen, um diesem Problem zu begegnen. Der hier zitierte Artikel ist zwar alt, aber immer noch aktuell: es werden sogar Prämien und Renten für bäuerliche Familien gezahlt, die nur Töchter haben. Der Staat verspricht für den weiblichen Nachwuchs eine Minderung des Schulgelds oder Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ob das alles hilft, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

      Beste Grüße – Irene


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