Verfasst von: irenejonda | 26. Mai 2010

Die größte Ressource…

der Emirate ist nicht das Öl, sondern die Frauen. Sie haben die bestmöglichen Bildungsmöglichkeiten der Welt, 77% von ihnen gehen zur Universität und machen damit 3/4 aller Studierenden aus. Das aber findet anschließend keine Entsprechung auf dem  freien Arbeitsmarkt. Frauen stellen nur 25% aller emiratischen Arbeitskräfte. Die Nation schlägt das natürliche Kapital aus, dabei sind „die Köpfe dieser Frauen voller Ideen und könnten das Land vorwärts bringen“, schreibt Alison McMeans für die Zeitung The National . Wie auch immer: die Arbeitgeber fragen diese Ressource nicht ab; eine kleine Studie der American University of Sharjah (AUS) untersuchte die Diskrepanz zwischen der Anzahl (emiratischer) Frauen mit post sekundärer Bildung und der Anzahl der Frauen, die arbeiten. Professor Dr. Meenaz Kassam von der AUS identifizierte einige Faktoren, die bewirken, dass Frauen dem Arbeitsmarkt fernbleiben. Sie sind vor allem soziokultureller Natur. Die Familie verbietet bisweilen den Frauen sich in der Öffentlichkeit zu betätigen und sie sorgt sich auch darum, dass eine arbeitende Frau nach Außen hin impliziert, dass ihr Mann nicht in der Lage ist, für die Familie zu sorgen. Die Studie fand auch heraus, dass Frauen kaum Unterstützung für den Balance-Akt zwischen Arbeit und Familie erhalten, was dazu führt, dass viele von ihnen nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Auch existiert die Überzeugung, dass Unternehmen die nötigen Arbeitskräfte lieber auf dem internationalen Arbeitsmarkt rekrutieren, statt einheimische Frauen einzustellen. Befragt man heutige Studentinnen, versichern sie alle, dass sie natürlich arbeiten werden sobald sie ihr Studium beendet haben. Doch Frauen „aus guten Familien“ tun es nicht. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Daneben gibt es noch die Gruppe der Frauen die zwar bereit wären zu arbeiten, dafür jedoch die Zustimmung ihrer Eltern oder ihrer Ehemänner benötigen. Anders als in den übrigen Golfstaaten bleibt den Frauen in den VAE der Zutritt zum Arbeitsmarkt lediglich wegen sozialer und kultureller Aspekte verwehrt, nicht aber weil sie nicht qualifiziert genug wären. Es bleibt zu vermuten, dass Frauen stärker am Arbeitsmarkt partizipieren werden, wenn sie mehr Unterstützung seitens der Arbeitgeber und seitens ihrer eigenen Familien bekommen, um die Verantwortung die sie tragen, auch stemmen zu können. So wie sich die Rollen der Frauen verändern, müssen auch Männer ihre Rollen neu überdenken. „Beteiligen sie sich stärker am Familienleben heißt es noch lange nicht, dass sie nicht männlich sind, sondern dass sie gute Väter sind“, sagt Dr. al Dabbagh von der Dubai School of Government. „Es ist eine neue Rolle für die Männer, aber keine die sie zwangsläufig herabsetzt.“ fügt sie hinzu.

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Responses

  1. Hallo Irene
    Wenn ich Deine Bericht so lese, die lebendig und spannend sind, frage ich mich, was hat Dich erstens als Europäerin und zweitens als Frau in diese Ecke verschlagen. Ich weiß nicht, ob ich mich da wohlfühlen könnte. Bleibt man nicht immer Fremdkörper? … oder das exotische Tier im Zoo?

    Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      die Arbeit hat uns hierher verschlagen. Wir sind schon länger im Ausland, erst Ägypten, dann China jetzt die VAE, immer im Rahmen der Entwicklungs- oder technischen Zusammenarbeit. Ja, man bleibt immer eine Art Fremdkörper, auch wenn man sich zeitweise der Illusion hingibt, sich eingelebt zu haben. Spannend ist es im Moment wirklich die gesellschaftliche Transformation zu erleben, die sich gerade vollzieht. Und ich kann den Prozess mit einem kleinen Abstand betrachten; muss mich nicht vollkommen identifizieren, weil ich ja nicht auf Dauer hier leben werde. Das ermöglicht mir eine andere Sichtweise der Dinge, die vielleicht einen Hauch von Objektivität hat?

      Beste Grüße – Irene


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