Verfasst von: irenejonda | 17. Mai 2010

Das emiratische Dilemma

Bild: Danesh Mohiuddin/ Xpress

Diese schöne Darstellung entdeckte ich neulich auf der Seite von gulfnews.com. Ein emiratischer Jugendlicher, der zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor des Arbeitsmarktes wählen muss und sich offensichtlich nicht recht entscheiden kann. Die derzeitige Arbeitslosenquote in den VAE beträgt 13%, die meisten Arbeitslosen sind emiratische Staatsangehörige. In den kommenden 10 Jahren werden mehr als 80 000 emiratischer Absolventen auf den heimischen Arbeitsmarkt drängen. Das Bewusstsein darüber wie wichtig es ist, sich bei der Jobsuche auch für den privaten Sektor zu interessieren, ist jedoch gar nicht oder kaum vorhanden. Derzeit arbeiten gerade einmal 1,3% Emiratis im privaten Sektor. Die Präferenzen liegen ganz eindeutig auf dem öffentlichen Sektor, wo die Arbeitsplätze sicher und gut bezahlt sind, Karriere-möglichkeiten gegeben und kurze Arbeitszeiten, sowie ausreichend Urlaub und Freizeit die Regel ist. Viele Emiratis ziehen es daher vor, im öffentlichen Sektor zu arbeiten, denn jeder will am Wohlstand des Landes partizipieren; dies lässt sich mit einem Gehalt im öffentlichen Sektor leichter realisieren.

Das Emirates National Development Programme (ENDP) verfolgt jedoch mit Nachdruck das Ziel, junge Emiratis in den privaten Sektor zu integrieren. Aus diesem Grund absolvieren zum Beispiel die StudentInnen der Zayed University ein achtwöchiges Praktikum während ihres letzten Studienjahres, das einem Türöffner gleichen und helfen soll zu potentiellen Arbeitgebern schon mal Kontakte zu knüpfen. Das scheint jedoch nicht genug zu sein, sinnvoller wäre ein frühzeitiges Vertrautmachen mit Arbeit und zwar schon während der Schulzeit, nicht erst im Studium. Es sollte eine Art Lehre, bzw. es sollten mehrere Praktika sein. Dies würde eine andere Einstellung gegenüber Arbeit fördern und einen Einblick in den privaten Sektor ermöglichen. Wenn Praktika erst im 4 Studienjahr abgehalten werden, ist es schwer eingefahrene Verhaltensweisen der StudentInnen noch zu ändern.

Die Vorurteile gegenüber Emiratis halten sich hartnäckig. Sie haben das Image, dass „sie nicht in der Lage sind überhaupt etwas zu tun“, sagt eine Studentin des Dubai Women’s College. Oft berichten ihre Freundinnen, die im privaten Sektor arbeiten, dass sie „keine richtige Arbeit zu tun“ bekommen. Häufig sind es unbedeutende Aufgaben, vielleicht weil die Arbeitgeber glauben, sie hätten es mit „einer verdorbenen Emirati“ zu tun. Jetzt sei es an der Zeit, diese Stereotypien, die im privaten Sektor kursieren zu widerlegen und zu beweisen, dass Emiratis die gleichen Leistungen erbringen können wie Expats. Vielleicht spornen die Vorurteile der Arbeitgeber sogar  dazu an, dass emiratische  Arbeitnehmer selbstbewusster werden und mehr Zutrauen zu ihren Fähigkeiten entwickeln. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist noch, dass sich vor allem die emiratischen Frauen kulturellem Druck ausgesetzt fühlen. Viele emiratische Männer sehen es nach wie vor nicht gerne (oder verbieten es gar) wenn ihre Frauen oder Schwestern in gemischtgeschlechtlichen Umgebungen arbeiten, dies aber ist im privaten Sektor fast immer die Regel. So glauben junge emiratische Frauen, dass bestehende Restriktionen diskutiert werden müssen, denn die begehrten Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor reichen längst nicht mehr, um die wachsende Zahl einheimischer Arbeitskräfte „zu versorgen“.

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