Verfasst von: irenejonda | 18. April 2010

Der weite Weg zur Integration

Integrationsrichtlinien, die Kindern mit Sonderbedarf das Recht geben, einen Platz in einer Regel(schul-)einrichtung zu bekommen, verursachen bislang schon in so manchen Ländern Schwierigkeiten, nichtsdestotrotz erklären die Vereinigten Arabischen Emirate selbstsicher, dass die Integration Behinderter ab dem kommenden Jahr für alle privaten Schulen verpflichtend ist. Im Text des Gesetzes No. 29, das 2006 erlassen wurde, ist genau festgeschrieben, welche Rechte behinderten Menschen zustehen und welche Leistungen sie beanspruchen dürfen. Allein die Umsetzung lässt auf sich warten und erst 4 Jahre nach Veröffentlichung scheint man die einzelnen Artikel des Gesetzes mit konkreten Plänen zu verbinden und ein (hoffentlich erfolgreiches) Integrationsprogramm zu implementieren.  Es wird jedoch zu ernsthaften Störungen kommen, die sowohl Lehrer als auch Schüler und deren Eltern betreffen werden, wenn dieses Programm nicht behutsam angepasst wird. In der Vergangenheit haben private Schulen SchülerInnen akzeptiert oder abgelehnt, wie es ihnen sinnvoll erschien. Dies führte dazu, dass Eltern umher pilgerten, um einen Schulplatz für ihr Kind zu finden. Mit dem „neuen“ Gesetz No. 29 findet diese Praxis nun ein jähes Ende, denn alle Schulen müssen ihre Tore für behinderte SchülerInnnen öffnen und sie in Regelklassen beschulen, außer die Schulkapazitäten sind erschöpft. Die Idee der Integration behinderter Kinder in Regeleinrichtungen ist gewiss nicht neu und wird rund um den Globus seit etwa 30 Jahren diskutiert und verwirklicht. Ein Paradigmenwechsel in diesem Zusammenhang ist einschneidend, häufig mit Problemen behaftet und nicht zuletzt: teuer. Es sind nicht nur die baulichen Maßnahmen, d.h. Rollstuhl-Rampen, verbreitete Türen oder etwa zusätzliche Ausrüstungen und Dienste für Blinde und Gehörlose, sondern auch die Anpassungen im Curriculum, die vorgenommen werden müssen, um den besonderen Anforderungen und Ansprüchen behinderter Kinder gerecht werden zu können. Ja, es ist sogar eine Abkehr vom leistungsorientierten Lehr- und Lernansatz, hin zu einem gemeinschaftlichen und differenzierten Lernen, das Kindern mit unterschiedlichen Fähigkeiten die Erlangung von Kenntnissen und Fertigkeiten ermöglicht. Es ist die Notwendigkeit der Methodenänderung, die das Lehren an sich herausfordert. Aus der Perspektive eines beeinträchtigten Kindes wäre ein Anschluss an die Regelausbildung enorm: die Erweiterung des Freundeskreises, Teilnahme an sportlichen und künstlerischen Aktivitäten, Unterstützung in akademischen Belangen… Wie auch immer, Erfolgsgeschichten gelungener Integration behinderter Kinder in Regeleinrichtungen scheinen eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Es bleibt viel zu tun, um die Bedingungen bereitzustellen und die Ziele zu erreichen, die gesetzlich längst verankert sind. Wenn es gelingen würde, das Gesetz No. 29 in den VAE in allen Einzelheiten und zum Wohle aller Kinder umzusetzen, könnte man von einem Integrationsmodell sprechen, das „Weltklasse“ ist.

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