Verfasst von: irenejonda | 26. März 2010

Ist Arabisch gerade dabei zu verkümmern?

Nicht nur in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sondern in der ganzen Golfregion gibt es Befürchtungen, dass Arabisch als Sprache immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Abbas al Tonsi, Arabisch Professor an der Georgetown University of Foreign Service in Qatar sagt wörtlich: „da ist etwas verkehrt dran, dass Bewohner der Golfstaaten in Zukunft zwar ihre dishdashas und abayas tragen aber kein Arabisch mehr sprechen werden“. Al Tonsi befürchtet, dass innerhalb von 20 Jahren Arabisch nur noch die Sprache religiöser Rituale sein wird. Arabisch ist für etwa 300 Millionen Menschen weltweit die Muttersprache und wird von 1.6 Milliarden Muslime genutzt, daher braucht man sich um Ihr Verschwinden keine Sorgen zu machen, doch durch die Dominanz der englischen Sprache in einigen kleineren Staaten am Golf, gerät gerade im dortigen Alltag Arabisch immer mehr in den Hintergrund. Da aber die Sprache der „Schlüssel gesellschaftlicher Identität“ ist, ist die Sorge groß, dass mit ihrem Verlust auch ein Verlust von Identität einhergeht. Sowohl in den Emiraten, als auch in Qatar, Kuwait und Bahrain dominiert Englisch den business Bereich und ist an öffentlichen Plätzen, wie z.B. in großen Einkaufszentren das übliche Kommunikationsmittel. Auch viele Schulen bevorzugen mittlerweile Englisch als Unterrichtssprache und an den Universitäten wird Englisch immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit. Sowohl die Studierenden, als auch ihre Eltern sehen Englisch als den besten Weg zum Erfolg. Jinanne Tabra, Gründerin einer Firma die Arabisch-Lehrmaterial produziert bedauert, dass „viele Familien mittlerweile wollen, dass ihre Kinder zuerst Englisch und dann Arabisch lernen“. Es gibt die „lächerliche Annahme, dass Englisch dem Arabischen irgendwie überlegen ist“. Und statt einer Bilingualität, weisen viele Schüler eklatante Mängel in beiden Sprachen auf. Überflüssig zu sagen, dass man erst einen guten Grundstock in der Muttersprache haben muss, um Fortschritte in einer Fremdsprache machen zu können.  Arabisch ist also unabdingbar, um ein gutes Englisch zu erlernen. Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich der „Wind wieder dreht“; die VAE kündigten letzten Monat einen neuen nationalen Plan an, um Arabisch wieder stärker zum Vorschein kommen zu lassen. Al Tonsi hat da konkrete Vorschläge: alle Kurse sollten von der Grundschule bis zur Sekundarstufe sowohl in Arabisch als auch in Englisch gelehrt werden. Er führt dabei das Beispiel Libanons an, wo die meisten Schüler  drei Sprachen fließend sprechen. Er schlägt vor, die Lehrerausbildung zu verbessern, neue Unterrichtsmethoden einzuführen und Zusatzaktivitäten anzubieten, wo Schüler die Möglichkeit haben Arabisch zu praktizieren: Bücher clubs, Drama clubs oder Poesie clubs könnten hilfreich sein. Es sollte ein Arabisch gelehrt werden, das „herausfordert, angenehm ist und respektvoll gegenüber der jungen Generation“. Auch sollte Arabisch „kritisches Denken entwickeln“ helfen und nicht zuletzt Spaß machen. Denn niemand wird eine Sprache lernen, wenn er dazu gezwungen wird…

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