Verfasst von: irenejonda | 23. März 2010

Hilfe, ich will einen Schulplatz!

Bislang schrieb ich oft über die emiratische Bevölkerung in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese macht allerdings neuesten Schätzungen zufolge nur noch 13% der Gesamtpopulation aus. Die verbleibenden 87% werden von Expatriates aus der ganzen Welt gestellt. Damit erreicht das Ungleichgewicht zwischen Ausländern und Einheimischen eine bisher noch nicht dagewesene Dimension. 1995 betrug der Anteil der einheimischen Bevölkerung noch ganze 24,4 Prozent.

Wie auch immer: der starke Zuzug von Ausländern in die VAE überfordert bisweilen die vorhandene Infrastruktur. So ist z.B. ein eklatanter Mangel an indischen Schulen zu verzeichnen und Jugendliche indischer Herkunft haben aufgrund fehlender Schulen oft keine andere Wahl als in ihr Heimatland zurückzukehren, um ihre Ausbildung zu beenden. Dort auf sich gestellt zu sein und allein zu leben, bedeutet für viele eine große Herausforderung. Ihre Eltern versuchen daher alles, um die Rückkehr nach Indien zu verhindern und sehen sich mit dem gleichen Problem konfrontiert wie viele andere indische Familien, nämlich einen Schulplatz für ihr Kind/Jugendliche/n in Abu Dhabi zu finden. Die Zeit drängt, denn das neue Schuljahr im indischen Schulsystem beginnt schon nächsten Monat und lässt tausende Kinder ohne schulische Versorgung. Auch wenn die vorhandenen Schulen die Erlaubnis bekommen, die Aufnahme neuer Schüler zu steigern, reicht es noch lange nicht, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Die Wartelisten sind voll und weisen Tausende von Namen auf. Es wird geschätzt, dass allein im Emirat Abu Dhabi etwa 2500 Schulplätze fehlen. Das Problem könnte gelöst werden, wenn alle 17 Schulen ihre Aufnahmekapazitäten erhöhen dürften (hier erteilt ADEC die Genehmigungen); allerdings sind es nur 5 Schulen, die ihre Kapazitäten erhöhen dürfen, da sie die Qualitätsstandards erfüllen. Andere Schulen, die zum Teil in umgebauten Villen beheimatet sind, werden 2012 sogar geschlossen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, daher haben sich kürzlich Vertreter von ADEC und der Indischen Botschaft zusammen gesetzt, um mögliche Lösungen zu diskutieren.

Dubai dagegen steht ganz anders da: schon im kommenden Jahr soll die neue International Indian High School ihre Tore öffnen und bis zu 3000 SchülerInnen aufnehmen. Der neue Campus wird ein Amphitheater beherbergen, einen gut ausgestatteten IT Bereich haben, eine Turnhalle, ein Schwimmbad und einen weiteren klimatisierten Sportkomplex. Die Schule bietet auch virtuelles Lernen an und will sich stark im Forschungsbereich engagieren, z.B. auf dem Gebiet der Nanotechnologie. Schon jetzt gibt es genügend Interessenten für diese Schule.

Hinzuzufügen bleibt, dass 2008 rund 1.1 Millionen Inder in den VAE lebten und damit die stärkste ethnische Gruppe stellten. Diese Zahl dürfte heute noch größer geworden sein.

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Responses

  1. Um kurzfristige Lösungen bemüht…. Neulich erst schrieb ich einen Artikel über die unbefriedigende Situation an Schulen für indische Expatriates-Kinder in den VAE. Indische Expatriates stellen mit über 1 Million Einwohner die größte ausländische […]

  2. […] bereits an dieser Stelle exemplarisch berichtet, haben die verschiedenen ethnischen Gruppierungen in den Emiraten, enorme […]


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