Verfasst von: irenejonda | 20. Januar 2010

Große emiratische Familien gibt es immer seltener

„…Ein durchschnittlicher Emirati in Abu Dhabi kommt aus einer Großfamilie mit 7 Mitgliedern. Er leiht selten Geld, sie liebt ihr Handy. Das merkwürdige daran ist, dass keiner von beiden ein High School Diploma hat, geschweige denn einen universitären Abschluss, obgleich ihre Eltern sehr großzügig in Bezug auf Bildungsausgaben sind…“ so in etwa liest sich der gestrige Beitrag von Kareem Shaheen in „The National“, einer englisch sprachigen Zeitung, die täglich in Abu Dhabi erscheint.

Die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Untersuchung emiratischer Lebenszusammenhänge und -ausgaben in den Emiraten, wurden gestern vom Amt für Wirtschaftliche Entwicklung in Abu Dhabi (Department of Economic Development) veröffentlicht. Sie kommen gerade zur richtigen Zeit, in der nämlich wichtige Entscheidungen für zukünftige Politik getroffen werden. Noch bestehen die emiratischen Familien aus vielen Köpfen, doch die Zahlen der Mitglieder scheinen abzunehmen. Eine Befragung weiblicher Studentinnen ergab, dass der Wunsch nach kleineren Familien immer stärker wird, so auch das Bedürfnis, Familienentscheidungen stärker zu beeinflussen; Frauen sind heute im Vergleich zu früher besser gebildet…

Die Generation der unter 15jährigen macht insgesamt 38.8 % der Gesamtpopulation aus, während die Gruppe der 20-40jährigen ganze 40 % ausmacht. Die hohen Prozentzahlen junger Menschen in den arabischen Gesellschaften wurden schon oft als Problem für die gesamte Region gesehen. Daher ist die Schaffung von Arbeitsplätzen eine der wichtigsten Herausforderungen für die Region. Allerdings könnte die große junge Population auch Chancen für die Gesellschaft mit sich bringen, wenn nämlich die junge Genereation gut ausgebildet und trainiert auf entsprechende Arbeitsplätze trifft. Die demographische Entwicklung in westlichen Industrienationen zeigt, dass die Bevölkerung schwindet, der Mittlere Osten dagegen, wäre aufgrund der Demographie z.B. besser in der Lage die ältere Generation zu unterstützen, so die Einstellung eines Assistenzprofessors an der soziologischen Fakultät der Universität von Sharjah (= eines der 7 Emirate der VAE).

Die Studie belegt, dass nur ein Viertel der Bevölkerung einen High School Abschluss hat und 15.6 % einen Universitäts- oder höheren Abschluss haben. Ein Drittel aller schulpflichtigen Emiratis besucht private Bildungsinstitutionen, in diesen Familien ist die Belastung für Schulausgaben recht hoch, was in etwa 30.000 Dirham (~ 6.000 €) im Jahr ausmacht. Zusätzlich zum Schulgeld wird für etwa ein Drittel dieser Schüler weiteres Geld für zusätzlichen Privatunterricht ausgegeben, das sind etwa 1.400 Dirham pro Monat (= 280,- €). Wenn emiratische Kinder öffentliche Schulen besuchen, gibt es oft verkürzten Unterricht, vor allem die Jungs erhalten eine durchweg schlechte Ausbildung. Einige Emiratis brechen die Schule ab, weil ältere Familienmitglieder auch keine formale Bildung haben, viele haben anschließend die Möglichkeit zur Armee zu gehen und dort „gutes Geld“ zu verdienen. Kein Grund also, einen guten schulischen Abschluss zu erlangen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: