Verfasst von: irenejonda | 8. Dezember 2009

New York Universität in Abu Dhabi offiziell eröffnet

Die Vereinigten Arabischen Emirate (kurz VAE genannt) ziehen bisweilen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich; in Europa ist vor allem die Zahlungsunfähigkeit Dubai’s in die Schlagzeilen geraten. Während im Emirat Dubai geradezu ein Exodus der billigen Arbeitskräfte, vor allem aus Indien, stattfindet, konzentriert sich das Emirat Abu Dhabi auf die Erfüllung der Ziele aus der Vision 2030 und setzt u.a. auf Bildung und Kultur. Der Kronprinz von Abu Dhabi hat auch das nötige Kleingeld, um Visionen zu verwirklichen. Er will aus dem größten der 7 Emirate ein „kulturelles Weltklasseziel machen“ – sowohl für seine Bewohner, als auch für seine Besucher. Neben Guggenheim und Louvre sollen auch Filialen berühmter Universitäten in Abu Dhabi platziert werden. Als erste wurde nun gestern die New York University (NYU) offiziell eröffnet. Noch fehlen die leibhaftigen StudentInnen, es liegen jedoch bereits 500 Anmeldungen für das erste Jahr vor, ab September 2010. Die NYU wird als erste Hochschule einen vollen geisteswissenschaftlichen Fächerkanon in Abu Dhabi anbieten und erhofft die „besten Studenten aus der ganzen Welt“ anzuziehen. „We are trying to build a global class for a brand new university in a city that parts of the world don’t know a lot about“, sagt Mr. Taylor, senior director of communications at NYU Abu Dhabi.

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Responses

  1. Ich frage mich, ob sich Visionen mit «dem nötigen Kleingeld» verwirklichen lassen. Und so ganz verstehe ich nicht, warum Bildung in den VAE heute wichtiger ist als früher.
    Aber das wird sich bestimmt ändern, wenn ich deine Einträge hier regelmässig lese :-).

  2. Liebe Katharina,

    die Bildung ist heute deswegen immer wichtiger, weil schon jetzt klar ist, dass das Öl nicht endlos sprudeln wird und der Staat in Zukunft nicht mehr in dem Maße wie bisher in der Lage sein wird, die emiratischen Staatsangehörigen zu alimentieren. Die berufliche Platzierung geschieht immer mehr über Qualifikation und nicht mehr über die ethnische Zugehörigkeit. Früher wurden Emiratis bevorzugt auf Stellen des primären Arbeitsmarktes gesetzt, heute müssen sie dafür Qualifikationen vorweisen und die Konkurrenz mit gut ausgebildeten Ausländern, die auf den Arbeitsmarkt drängen, ist enorm. Daher wird Bildung immer wichtiger.

    Ja, es ist nicht immer nur das „Kleingeld“, das man braucht. Damit lässt sich nicht alles kaufen! Im Rahmen der Abu Dhabi Classics wurden und werden hier die Weltstars eingeflogen: Wagner Festspiele, die Wiener oder die New Yorker Philharmoniker, Zubin-Metha oder Anne-Sophie Mutter. Kulturangebote noch und nöcher, das Bewusstsein dafür muss bei der (einheimischen) Bevölkerung jedoch erst noch wachsen. In der Zwischenzeit freuen sich aber die ausländischen Klassik-fans….

    Irene

  3. Liebe Irene

    Wenn du schreibst «Die berufliche Patzierung geschieht immer mehr über Qualifikationen und nicht mehr über die ethnische Zugehörigkeit», dann frage ich mich natürlich, welche Entwicklung prognostiziert werden kann. Ersetzt dann «Bildung» den bisherigen Habitus qua Geburt und wem bleibt sie vorbehalten?

  4. Hm, Du bist schlau Katharina. Wem bleibt sie vorbehalten… Genau diese Frage habe ich u.a. in meiner Abschlussarbeit diskutiert. Es ging nicht nur um Arbeitsmarktsegmentation sondern auch um Bildungssegmentation. Genau da liegt nämlich der Knackpunkt. Es wird massiv in die Bildung und Weiterbildung der Emiratis investiert. Es gibt Bildungsinstitutionen, die lediglich emiratischen Staatsangehörigen vorbehalten sind. Migranten werden kaum oder gar nicht weitergebildet, sie werden so rekrutiert, dass ihr Profil dem Bedarf des Arbeitsmarktes entspricht. Sind ihre Qualifikationen unzureichend, werden sie „heim geschickt“ und es werden neue (Migranten) geholt. Das mal vereinfacht ausgedrückt. Insofern kommt hier wieder die ethnische Zugehörigkeit „zum Einsatz“; sie beeinflusst unmittelbar die Segmentation des Bildungsmarktes. (Kostenloser) Zugang zur Bildung und Weiterbildung für Emiratis, die anderen (wenn sie überhaupt die Möglichkeit haben) dürfen selbst zahlen.


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